Digitale Zähler erleichtern das Energiesparen

Seit 2017 werden analoge Zähler durch digitale ersetzt.

Der Roll-out moderner und intelligenter Stromzähler läuft in Deutschland. Doch wie unterscheiden sich die Messsysteme, wer bekommt sie und was sind die Vorteile der digitalen Zähler?

 von Alexandra Edlinger

Die Digitalisierung ist wichtig für die Energiewende, denn Stromerzeuger und -verbraucher werden zunehmend über ein intelligentes Netz miteinander verknüpft. Nur mit einem modernen Energiemanagement können Netzbetreiber eine sichere Stromversorgung gewährleisten. Insbesondere, wenn die Einspeisung von Erneuerbaren Energien weiter steigt.

Digitale Zähler ersetzen analoge Messgeräte

Digitale Zähler machen den Stromverbrauch transparenter und helfen, Energie zu sparen. Die analogen Ferraris-Zähler haben ausgedient und werden durch digitale Messsysteme ersetzt. Die alten schwarzen Kästen mit den Drehscheiben verschwinden seit 2017 sukzessive aus unseren Kellern. Damit geht eine Ära zu Ende und das ist gut so, denn die analogen Zähler zeigten nur den Gesamtstromverbrauch seit ihrem Einbau an, mehr nicht. Dagegen speichert ein digitaler Zähler die täglichen Verbrauchswerte der vergangenen zwei Jahre.

Die ED Netze GmbH hat von den insgesamt 298.000 Zählern in ihrem Netzgebiet inzwischen bereits mehr als 60.000 Zähler ersetzt. In den Austausch investiert das Unternehmen jährlich drei bis vier Millionen Euro. Zusätzlich zu den eigenen Mitarbeitern sind dabei externe Dienstleister im Einsatz, um diese Mammutaufgabe fristgerecht zu stemmen.

Unser stellvertretende Prüfstellenleiter Felix Ücker sagt:

„Diese Stückzahlen könnten wir alleine nicht bewältigen. Früher wurden etwa 4.000 bis 5.000 Zähler pro Jahr getauscht. Heute wechseln wir im Zuge dieses Generationenwechsels gut 20.000 Zähler in derselben Zeit.“

Felix Ücker von ED Netze schließt einen Stromwandler an.
Felix Ücker ist bei ED Netze für die Überprüfung von Stromzählern, Spannungs- und Stromwandler zuständig. Hier schließt der stellvertretende Prüfstellenleiter gerade einen Stromwandler an. Foto: Energiedienst

Wie unterscheiden sich moderne und intelligente Zähler?

Oft werden digitale Zähler allgemein als Smart Meter bezeichnet. Doch nicht jeder digitale Zähler ist „intelligent“. „Intelligent“ ist ein Zähler erst, wenn er an das Internet angebunden ist und Daten senden und empfangen kann.

Bei einer modernen Messeinrichtung ist das zunächst nicht der Fall: Sie ist ein digitaler Stromzähler, der auf dem Display den aktuellen Verbrauch anzeigt. Der digitale Zähler alleine ist jedoch nicht in der Lage, Informationen zu versenden. Der Zählerstand muss wie gewohnt vor Ort abgelesen werden.

Wird ein moderner Zähler mit einer Kommunikationseinheit (Smart Meter Gateway) aufgerüstet, spricht man von einem intelligenten Messsystem: Dieses kann den Zählerstand zum Beispiel digital übermitteln. Es ist möglich, einen digitalen Zähler auch noch nachträglich mit einem Kommunikationsmodul auszustatten.

 

Mit einem Kommunikationsmodul kann ein digitaler Zähler Daten digital übermitteln.
Erst wenn ein digitaler Zähler mit einem Kommunikationsmodul (Smart Meter Gateway) ausgestattet ist, kann der Zähler z. B. den Zählerstand digital übermitteln. Foto: Energiedienst/Juri Junkov

Wer bekommt welches digitale Messsystem?

Bis 2032 müssen alle Haushalte gemäß Messstellenbetriebsgesetz mit modernen Messeinrichtungen ausgestattet werden, also zunächst lediglich mit einem digitalen Zähler.

Intelligente Messsysteme, also ein digitaler Zähler gekoppelt mit einem Smart Meter Gateway, sind ab 2020 verpflichtend für Verbraucher mit einem Stromverbrauch über 6.000 Kilowattstunden. Ausschlaggebend ist der durchschnittliche Verbrauch der vergangenen drei Jahre.

Da in diesen Fällen eine gesetzliche Austauschpflicht besteht, können Kunden den Einbau von modernen Messeinrichtungen und von intelligenten Messsystemen nicht ablehnen. Drei Monate vor dem anstehenden Zählerwechsel wird jeder Kunde schriftlich informiert.

 

Kunden erhalten entweder eine moderne Messeinrichtung oder einen Smart Meter.
Je nach Höhe ihres Verbrauchs erhalten Kunden entweder eine moderne Messeinrichtung oder ein intelligentes Messsystem (Smart Meter). Schaubild: Energiedienst

 

Vorteile einer modernen Messeinrichtung

Digitale Zähler geben detailliertere Angaben zum Verbrauch und erleichtern damit, Energie zu sparen. Sie zeigen den aktuellen Verbrauch auf dem Display und speichern darüber hinaus zwei Jahre alle Stromverbrauchswerte tages-, wochen-, monats- und jahresweise. Geschützt werden diese Daten mit einer vierstelligen PIN. Beim digitalen Zähler können Kunden also rückblickend ihren Verbrauch zeitlich aufgeschlüsselt kontrollieren und ihren aktuellen Stromverbrauch in Watt ablesen.

Wozu das nützlich ist? Der Kunde kann seine Rechnung bei Unklarheiten nachvollziehen. So ist es etwa für eine junge Familie ersichtlich, dass seit der Geburt des Kindes der tägliche Stromverbrauch spürbar angestiegen ist. Ein anderes Anwendungsbeispiel für Hauseigentümer ist es, den höchsten täglichen Strombedarf in KWh der letzten Wochen zu ermitteln, um einen Batteriespeicher für die bestehende Photovoltaikanlage richtig zu dimensionieren. Außerdem kann der Kunde feststellen, wieviel Strom er nun durch die Anschaffung neuer effizienter Haushaltsgeräte spart.

Das intelligente Messsystem: Smart Meter

Wenn Kunden drei Jahre lang durchschnittlich mehr als 6.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr verbrauchen, wird ein intelligentes Messsystem verbaut. Das betrifft insbesondere Gewerbekunden.

Diese intelligenten Messsysteme sind mit einem Kommunikationsmodul, einem sogenannten Smart Meter Gateway, ausgestattet. Über das Internet senden sie unter Einhaltung höchster Datensicherheit die jeweiligen Verbrauchswerte über den Messstellenbetreiber an die Energieversorger und Netzbetreiber. Der Messstellenbetreiber betreibt und wartet die Stromzähler. Er ist im Allgemeinen nicht identisch mit dem Energieversorger, wohl aber häufig mit dem örtlichen Netzbetreiber. Diese haben nämlich in fast allen regionalen Netzgebieten die Aufgaben des grundzuständigen Messstellenbetreibers übernommen.

Smart Meter Gateways können Daten sowohl senden als auch empfangen. Damit können in Zukunft Geräte automatisch die günstigsten Tarife auswählen, etwa um die Vorteile variabler Stromtarife zu nutzen.

 

Der Einbau von Smart Metern beginnt.
Zwei Bauformen von Smart Metern, die Kundendienstmeister von ED Netze je nach Einbausituation beim Kunden installieren. Foto: Energiedienst/Juri Junkov

 

Vorteile der modernen Smart Meter

Smart Meter unterstützen bei der Umsetzung der Energiewende, denn sie gewähren den Netzbetreibern einen überregionalen Überblick über Stromproduktion und -nachfrage. Das ist für die Integration von volatilen Erzeugungsanlagen wie Windkraft oder Photovoltaik wichtig, da diese nicht immer wie geplant „liefern“. Durch die Kenntnis über Stromnachfrage und -angebot kann das Netz jedoch entsprechend sicher ausgebaut werden. So kann auch in Zukunft die Versorgungssicherheit trotz Abschalten von Großkraftwerken (Atom- und Kohlekraft) gewährleistet werden. Denn hier ist der Ausstieg bereits beschlossene Sache.

Aussagen über einen eventuell notwendigen Netzausbau fallen sehr viel präziser aus, was insbesondere für die Kommunen interessant ist. Auch bei der Störungssuche sind die intelligenten Messeinrichtungen extrem hilfreich. Schließlich nutzt eine bessere Netzauslastung und die Verschiebung von Lastspitzen allen Verbrauchern.

 

Martin Reinacher überprüft einen digitalen Haushaltszähler.
Martin Reinacher leitet die Prüfstelle EBW 61, die z. B. sicherstellt, dass Zähler korrekt geeicht sind. Hier überprüft er gerade einen digitalen Haushaltszähler. Foto: Energiedienst/Juri Junkov

 

Hohe Anforderungen an den Datenschutz

Der Schutz der übertragenen Daten ist bei den intelligenten Messeinrichtungen besonders wichtig. „Bei der neuen Zählertechnik sind einige Verbraucher kritisch und das ist gut so. Bei Smart Metern sind die gesetzlichen Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit sehr hoch, höher als beim Online-Banking“, sagt Martin Reinacher, Leiter der Prüfstelle EBW 61.

Die Prüfstelle untersteht der Aufsicht der Landeseichbehörde Baden-Württemberg in Stuttgart und ist Teil der ED Netze GmbH mit rund 290.000 Netzkunden. Die Sicherheitsanforderungen überwacht das Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Für welche Zwecke die Daten verwendet werden dürfen, regelt das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende.

Das kostet die neue Messtechnik

Für den Verbraucher sind die jährlichen Kosten für moderne Messeinrichtungen gesetzlich gedeckelt und betragen maximal 20 Euro. Zum Vergleich: Die Kosten für einen analogen Zähler liegen durchschnittlich bei rund 13 Euro pro Jahr. Für Pflichteinbaufälle betragen die Kosten bei intelligenten Messsystemen mindestens 100 Euro, beginnend ab einem Jahresstromverbrauch von 6.000 Kilowattstunden.

Doch auch wenn die neuen Messsysteme für den Verbraucher kurzfristig erst einmal höhere Kosten bringen, die Digitalisierung zahlt sich aus. Felix Ücker betont: „Nur mit einem intelligenten Stromnetz ist die Energiewende machbar, für die wir nur eine Chance haben. Wir bauen gerade die Infrastruktur auf, mit der wir die Erneuerbaren Energien zuverlässig integrieren können. Damit leisten wir jetzt einen bedeutenden Beitrag, um unsere Klimaziele zu erreichen.“

Weitere Infos zum Zählertausch finden Sie auf der ED-Netze-Website unter „Roll-out moderner Messeinrichtungen“.

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1 Kommentar

  1. Die neu eingebauten dIgitalen Stromzähler sind wahrscheinlich ein kleiner technischer Fortschritt. Wenn ich aber mit einer Taschenlampe eine PIN eingeben muss und mit einem Blinken auf einen Lichtsensor eine vorsintflutliche Menüführung in Bewegung setze, dann fragt man sich schon, ob dies der digitale Fortschritt darstellen soll. Als Programmierer versuche ich jegliche Steuerung von Soft- und Hardware für den Anwender so simpel und komfortabel wie möglich zu gestalten. Das war hier wohl nicht die Zielsetzung. Eine USB-Schnittstelle wäre vorteilhaft gewesen, um die Daten für den Verbraucher auszulesen und auszuwerten. Kaum jemand wird stundenlang im Keller stehen, um im Dunkeln mit der Taschenlampe herumzufunzeln und seine Verbrauchsdaten in sein Tagebuch eintragen. Das klingt wie Fortschritt von analoger Neuzeit nach digitalem Mittelalter…Modern, Zusatznutzen, Digital mit Zielsetzung „Energie sparen und steuern“ sieht anders aus.

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