Ein Herz für Störche und andere Vögel mehr

Baden-Württemberg schickt sich an, dem deutschen Storchenland Nummer eins, Brandenburg, Konkurrenz zu machen: dazu beigetragen haben Wiederansiedlungsprogramme, aber auch die immer effektiveren Vogelschutzmaßnahmen der Netzbetreiber. (Foto: ED Netze/Juri Junkov)
Baden-Württemberg schickt sich an, dem deutschen Storchenland Nummer eins, Brandenburg, Konkurrenz zu machen: dazu beigetragen haben Wiederansiedlungsprogramme, aber auch die immer effektiveren Vogelschutzmaßnahmen der Netzbetreiber. (Foto: ED Netze/Juri Junkov)

Ob ausgediente Dorfsirene oder alter Fabrikschlot, schwankende Baumspitze oder stabiler Strommast – Störche haben ganz eigene Vorstellungen davon, wo sie in luftiger Höher scheinbar sicher ihren Horst bauen. Doch gerade letzterer ist oft keine gute Idee, denn die Großvögel mit ihren weiten Flügelspannen könnten gleichzeitig Mast und Leitung berühren: Ein Stromschlag droht. Und nicht nur für Meister Adebar sind Freileitungstrassen heikel, auch Kraniche, Gänse, Schwäne und manch großer Greifvogel fand hier in der Vergangenheit einen unschönen Stromtod, weil sie die relativ dünnen Erdseile auf der obersten Ebene von Freileitungen schlecht wahrnehmen. Schon lange kooperieren daher Netzbetreiber mit Naturschützern und investieren erfolgreich in Vogelschutzmaßnahmen, die teils gemeinsam entwickelt wurden – und geben nebenbei so manchem Storchenpaar trotzdem Nisthilfe.

von Sonja Sahmer

Noch Mitte der 1930er-Jahre wurden hierzulande rund 9.000 Storchenbrutpaare gezählt. Doch dann gingen die Zahlen immer mehr zurück. Überall. Gab es zum Beispiel „im Ländle“ Mitte der 1950-Jahre immerhin noch rund 150 Storchenpaare, war der Weißstorch in den 1970er-Jahren in Baden-Württemberg quasi ausgestorben. 1975 gab es im ganzen Bundesland kaum mehr als ein Dutzend Brutpaare. Das hatte verschiedene Gründe. Etwa die Trockenlegung von Landstrichen, wo der Storch doch Feuchtwiesen, Flussniederungen und Tümpel mag. Auch der sich stark ausbreitende Maisanbau, der Wiesen und Weiden reduzierte, sorgte dafür, dass sein natürlicher Lebensraum sehr abnahm. Das alles machte Meister Adebar das Leben schwer.

Es „klappert“ wieder kräftig

Die gute Nachricht? In den letzten 50 Jahren hat sich die Population wieder spürbar erholt! Bundesweit wie auch im Südwesten. Das Bundesland schickt sich sogar an, dem deutschen Storchenland Nummer eins, Brandenburg, Konkurrenz zu machen. Ein Grund für seine steigende Zahl an Horsten und Tieren ist – neben nachhaltigen Wiederansiedlungsprogrammen – die geänderte Flugroute der Zugvögel. Vielfach fliegen sie nicht mehr bis Afrika, wo die Strecke nach Marokko oder gar Mali bis zu 4.500 kräftezehrende Flugkilometer bedeutet, sondern verbringen den Winter auf der iberischen Halbinsel. Die kürzere Flugroute nach Südspanien ist zudem weniger gefährlich, folglich kommen auch mehr Vögel in den Südwesten zurück. 2020 etwa wurden schon wieder knapp 1.500 Storchenpaare in Baden-Württemberg gezählt.

Auch die intensiveren Vogelschutzmaßnahmen der Netzbetreiber, die immer mehr optimiert wurden und inzwischen erfolgreich für „tierische“ Sicherheit rund um die Freileitungen sorgen, haben dazu beigetragen. Sie kommen nicht nur dem sagenumwobenen Klapperstorch zugute; auch andere Großvögel wie Kraniche, Gänse und Schwäne oder Bussarde und Milane profitieren davon.

Der Storch war und ist ein besonderer Vogel, nicht nur, weil er angeblich die Kinder bringt: Noch wichtiger ist, dass eine robuste Storchenpopulation eine hohe ökologische Qualität von Wiesen und Sümpfen bedeutet – denn nur dann findet er dort seine Nahrung. (Foto: ED Netze/Juri Junkov)
Der Storch war und ist ein besonderer Vogel, nicht nur, weil er angeblich die Kinder bringt: Noch wichtiger ist, dass eine robuste Storchenpopulation eine hohe ökologische Qualität von Wiesen und Sümpfen bedeutet – denn nur dann findet er dort seine Nahrung. (Foto: ED Netze/Juri Junkov)

Warum der Weiß- der Klapperstorch ist

Das Gefieder des in Deutschland vorkommenden Weißstorchs ist weiß, nur seine Schwungfedern und Teile der sogenannten Oberflügeldecke sind schwarz. Der Schnabel und die Beine sind rot gefärbt. Im Gegensatz zu anderen Vögeln unterscheiden sich die Geschlechter dabei kaum, lediglich der Schnabel des Männchens ist meist etwas länger und stärker. Gut so, denn der ist wichtig für die Nahrungsbeschaffung und dient der laustarken Kommunikation: Ob beim Balztanz, zur Begrüßung im Nest oder zwecks Einschüchterung von Rivalen, die den angestammten Horst streitig machen wollen, stets klappern die Störche hörbar mit ihrem Schnabel. So kam es zum Namen „Klapperstorch“.

Warum der nun der Legende nach die Babies bringt? Da wurde viel Aberglaube miteinander verwoben. Störche leben meist in Wassernähe und fangen neben Mäusen gerne auch Frösche. Die wiederum galten dereinst als Fruchtbarkeitsboten, wobei im Wasser angeblich die Seelen der ungeborenen Kinder lebten. So kam eins zu anderen und der Mythos vom Baby bringenden Klapperstorch war geboren. Das machte ihn dann auch zum Glücksymbol. Und die Tatsache, dass er als Zugvogel für das Ende des Winters steht, zum Frühlingsboten.

Wobei heute immer mehr Störche hierzulande überwintern. Ein erlerntes Verhalten, das vermutlich den Wiederansiedlungsprogrammen seit den 1990er-Jahren geschuldet ist – aber auch der Storchen-Fähigkeit, recht gut Wärme zu speichern. Die im Rahmen der Programme aufgezogenen Jungtiere wurden erst mit zwei Jahren, zu Beginn der Geschlechtsreife, freigelassen und kannten demnach das Überwintern vor Ort. Außerdem machen Schnee und einstellige Minustemperaturen Störchen nicht viel aus, sofern sie trotzdem noch genug Nahrung finden.

Wobei sich das mit dem Vogelschutz leichter anhört, als der in Wirklichkeit ist. Doch die Netzbetreiber haben längst erkannt: Was die Vögel schützt und vor dem unschönen Stromtod bewahrt, schützt letztlich auch ihre Leitungsnetze, erleichtert Leitungskontrollen und unterstützt damit die Versorgungsicherheit. Das ist neben vielen anderen engagierten Tierschützern auch der jahrelangen Arbeit der sogenannten BAG Stromtod des Naturschutzbundes Deutschland, besser bekannt als NABU, zu verdanken.

Vogelschutz hört sich leichter an, als der Aufwand in Wirklichkeit ist: Einen Freileitungsmast mit mehreren Leitungen sicher zu machen, kann einen ganzen Tag Arbeit kosten – und das je nach Anlage mit bis zu sieben Mann. (Foto: ED Netze/Juri Junkov)
Vogelschutz hört sich leichter an, als der Aufwand in Wirklichkeit ist: Einen Freileitungsmast mit mehreren Leitungen sicher zu machen, kann einen ganzen Tag Arbeit kosten – und das je nach Anlage mit bis zu sieben Mann. (Foto: ED Netze/Juri Junkov)

Gefahren gemeinsam erkennen

Schon in den 1970er-Jahren begann man dort, die „vogelgefährlichen“ Konstruktionen von Strommasten und Freileitungen aufzuzeigen und kritisch zu hinterfragen – ein Problem, dass übrigens bereits Ende des 19. Jahrhunderts mit der Errichtung der ersten Telegrafenleitungen aufgetreten war. Doch mit zunehmender Technisierung nach den Wirtschaftswunderjahren stieg es entsprechend an. Das kommunikative „Geklapper“ mit Politikern, Energieversorgen und nicht zuletzt auch Herstellern von Schutzarmaturen lief vermutlich zeitweise ähnlich unharmonisch wie der Streit ums Storchennetz, brachte aber letztlich alle an einen Tisch. Denn unterm Strich wollten alle Akteure dasselbe: sowohl den Stromschlag als auch den sogenannten Leitungsanflug verhindern.

Zu einem Stromschlag kommt es bei der Überbrückung von Spannungspotenzialen. Dies kann durch Erdschluss zwischen spannungsführenden Leitern und geerdeten Bauteilen oder als Kurzschluss zwischen Leiterseilen verschiedener Spannungen geschehen. Vor allem Mittelspannungsleitungen sind hier die Gefahrenquellen, da dort die vergleichsweise kurzen Strecken zwischen Leiterseilen und Isolatoren insbesondere von Großvögeln mit entsprechenden Flügelspannweiten leicht überbrückt werden könnten.

Unter Leitungsanflug versteht man im Fachjargon die Kollision mit Leiterseilen verschiedener Spannungen. Vor allem die ganz oben angeordneten dünnen Erdseile bei Hoch- und Höchstspannungsleitungen sind hier zu nennen. Davon betroffen sein können eigentlich alle Vögel unabhängig von ihrer Größe: Vereinfacht gesagt liegt das an ihren Flugeigenschaften und ihrem jeweiligen Sehvermögen. Vögel sehen nämlich vor allem räumlich anders als wir Menschen und aufgrund ihrer anderen Sichtfeldgewichtung frontal meist eher schlecht. Hindernisse in ihrer Flugrichtung sollten sich daher am besten bewegen oder möglichst groß und kontrastreich sein.

Die verbindliche Verankerung im Bundesnaturschutzgesetz (damals § 53, heute § 41) „Vogelschutz an Energiefreileitungen“ war 2002 daher ein großer Meilenstein auf dem Weg zu mehr Vogelwohl rund um die Netze: „Zum Schutz von Vogelarten sind neu zu errichtende Masten und technische Bauteile von Mittelspannungsleitungen konstruktiv so auszuführen, dass Vögel gegen Stromschlag geschützt sind. An bestehenden Masten und technischen Bauteilen von Mittelspannungsleitungen mit hoher Gefährdung von Vögeln sind bis zum 31. Dezember 2012 die notwendigen Maßnahmen zur Sicherung gegen Stromschlag durchzuführen.“

Auch international tat sich einiges. Im September 2002 wurde ein ergänzender Maßnahmenkatalog für die 7. Vertragsstaatenkonferenz der 1979 ins Leben gerufenen „Bonner Konvention zur Erhaltung der wandernden wildlebenden Tierarten“ (offiziell: Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals, kurz CMS) auf den Weg gebracht. Zusammen mit einer entsprechenden Resolution wurde sie von den rund 90 Vertragsstaaten unterzeichnet. Im Dezember 2004 verabschiedete dann die „Berner Konvention“ (offiziell: Übereinkommen über die Erhaltung der europäischen wild lebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume) entsprechende Empfehlungen für den Vogelschutz an Energiefreileitungen auf europäischer Ebene.

Nicht alleine die Montage von Vogelschutzhauben, Büschel-Vogelabweiser und Co. im Zuge von Instandhaltungsarbeiten sind in Sachen Vogelschutz zu nennen: Immer öfter werden die Netzbetreiber auch zum „Storch-Manager“ für Bau- und Brutplätze. (Foto: ED Netze/Juri Junkov)
Nicht alleine die Montage von Vogelschutzhauben, Büschel-Vogelabweiser und Co. im Zuge von Instandhaltungsarbeiten sind in Sachen Vogelschutz zu nennen: Immer öfter werden die Netzbetreiber auch zum „Storch-Manager“ für Bau- und Brutplätze. (Foto: ED Netze/Juri Junkov)

Miteinander für das Vogelwohl

Die Umweltverträglichkeit hat auf allen Netzebenen nicht erst seit damals einen hohen Stellenwert, wobei die deutsche wie europäische Gesetzgebung inzwischen umfangreiche Vorgaben macht. Während der Planungs- und Genehmigungsphase für Netzausbauprojekte, wie etwa neue Freileitungen, lassen die zuständigen Netzbetreiber bereits frühzeitig detaillierte Umweltstudien erstellen, die unter anderem für die beabsichtige Lage der Trasse das jeweiligen Artenvorkommen und deren spezielle Lebensraum-Anforderungen berücksichtigen. Werden Risiken erkannt, werden gleich Maßnahmen für den Schutz der betroffenen Tierarten getroffen. Die zuständigen Genehmigungsbehörden prüfen die Studien wie auch die dort ermittelten (Vogel-)Schutzmaßnahmen, die sich am Ende in den naturschutzfachlichen Auflagen des Genehmigungsbescheids widerspiegeln.

Außerdem haben sich Naturschutzverbände und Energieversorgungsunternehmen darauf verständigt, auch jenseits der gesetzlichen Verpflichtung zum Vogelschutz weiter konstruktiv zusammenzuarbeiten, was zu „spannenden“ konkreten Ergebnissen geführt hat. 2014 etwa wurde vom Forum Netztechnik/Netzbetrieb (FNN) im VDE ein technischer Hinweis zu Vogelschutzmarkierungen an Hoch- und Höchstspannungsfreileitungen erarbeitet, der die Planungs- und Genehmigungsprozesse neuer Freileitungen mit Nennspannungen ab 110 kV vereinfacht. Berücksichtigt wurden die Bewertungsmaßstäbe aller Interessengruppen, sprich Naturschützer wie Netzbetreiber. Im Fokus steht das Kollisionsrisiko: Mit visuellen Markierungen wird der Leitungsanflug reduziert, weil die Vögel Freileitungen so frühzeitig erkennen und sicher überfliegen können. Enthalten sind in dem FNN-Hinweis zudem Empfehlungen, für welche Vogelarten in welchen Trassen-Abschnitten Vogelschutzmarkierungen anzubringen und wie diese zu montieren und zu überprüfen sind.

Dem vorausgegangen war drei Jahre zuvor die VDE-Anwendungsregel VDE-AR-N 4210-11, die Maßnahmen gegen Stromschlag an Mittelspannungsfreileitungen aufführt und dabei unterschiedliche Mastarten berücksichtigt – und das jeweils für Neubau wie auch Nachrüstung. Ziel hier wie dort ist mehr Rechts- und Investitionssicherheit für Netzbetreiber wie Hersteller. Die VDE-Anwendungsregel von 2011 schreibt damit den 20 Jahre zuvor erstellten VDEW-Maßnahmenkatalog (heute bdew) zum „Vogelschutz an Freileitungen“ fort. Damals wie heute hielt man dabei fest, dass zu den besonders durch elektrischen Stromschlag gefährdeten Vogelarten in Deutschland Eulen und Greifvögel zählen – und die bereits in den Fokus dieses Beitrags gerückten Störche als Zug- und Brutvögel.

Wenn es auch im Süden wieder wärmer wird, fliegen die Störche nach Deutschland zurück, um ihre Brutplätze wieder in Besitz zu nehmen: Meist kommen die Männchen zuerst am Stammhorst an, nur in etwa einem Drittel der Fälle sind ihre Weibchen schneller. (Foto: ED Netze/Juri Junkov)
Wenn es auch im Süden wieder wärmer wird, fliegen die Störche nach Deutschland zurück, um ihre Brutplätze wieder in Besitz zu nehmen: Meist kommen die Männchen zuerst am Stammhorst an, nur in etwa einem Drittel der Fälle sind ihre Weibchen schneller. (Foto: ED Netze/Juri Junkov)

Wann Meister Adebar das Nest bestellt

Als Zugvogel finden sich die Störche von Mitte bis Ende August zu größeren Gruppen zusammen, um gen Süden aufzubrechen. Sie gehören damit zu den „Frühstartern“, denn viele von ihnen sind noch immer „Langstreckenflieger“, die tausende Kilometer bis zu ihren Winterquartieren zurücklegen. Jungstörche treten die Reise dabei ein bis zwei Wochen früher an als Altvögel. Der Rückflug erfolgt im Februar. Spätestens Anfang März, der Paarungszeit, sind die Störche dann zurück. Meist kommen die Männchen als Erste in ihrem Stammhorst an, um das Nest im wahrsten Sinne wieder zu bestellen: Viele Störche sind ihrem Horst treu und nutzen ihn teils jahrzehntelang.

Die Brutzeit beginnt Mitte/Ende März. Das Gelege mit meist drei bis fünf Eiern wird von beiden Partnern gleichermaßen für etwa 32 bis 33 Tage bebrütet. Und auch für die Nahrungsbeschaffung für den Nachwuchs sind beide gleichberechtigt zuständig. Sie haben gut zu tun, um die hungrigen Schnäbel zu stopfen: Das Geburtsgewicht von etwa 70 Gramm verzehnfacht sich bei Störchen allein binnen der ersten zwei Lebenswochen. Haben die Jungtiere die ersten sechs Wochen überlebt, werden sie – im Zuge von Wiederansiedlungsprogrammen – beringt, um sie gut nachverfolgen und besser zählen zu können. Nach ungefähr zwei Monaten können auch die Jungvögel, die man noch einige Wochen an ihren leicht schwärzlichen Schnabelspitzen erkennen kann, das Nest verlassen.

Im Spätsommer fängt der Kreislauf von vorne an. Kehrt der Nachwuchs dabei nach dem (über)nächsten Winter geschlechtsreif von seinem ersten Vogelzug zurück, lässt er sich nicht unbedingt an seinem Geburtsort nieder, wohl aber in der Nähe. Meist siedelt er sich in einem Radius von bis zu 50 Kilometer an.

Doch nicht alleine Schutzmaßnahmen – wie etwa die Isolierung von Endverschlüssen, Steigleitungen und Verbrückungen oder die Montage von Vogelschutzhauben, Sitzstangen und Büschel-Vogelabweiser – im Zuge von Instandhaltungsarbeiten sind hier zu nennen. Immer öfter werden die Netzbetreiber auch zum „Storch-Manager“. Sie stoßen Storchenpaare sozusagen mit dem Schnabel drauf, geeignetere Bau- und Brutplätze statt „spannende“ Strommasten zu finden. Oder sorgen in ihrer (winterlichen) Abwesenheit dafür, dass sich für ihre Nester das „elektrifizierte“ Risiko vermindert.

Auf einem Feld bei Neudingen stellte ED Netze einen alten Strommast extra für eine „klappernde“ Zweitnutzung auf: Seine Metallplattform mit Weidengeflecht soll Jungstörchen als Nestbauhilfe eine sichere Bauplatz-Alternative zur nahegelegenen Freileitung bieten. (Foto: WESPO/Rolf Wetzel)
Auf einem Feld bei Neudingen stellte ED Netze einen alten Strommast extra für eine „klappernde“ Zweitnutzung auf: Seine Metallplattform mit Weidengeflecht soll Jungstörchen als Nestbauhilfe eine sichere Bauplatz-Alternative zur nahegelegenen Freileitung bieten. (Foto: WESPO/Rolf Wetzel)

Anstelle der Pflicht oft Kür

Dabei sollte nicht unerwähnt bleiben: Die offiziell vorgeschriebenen Vogelschutzmaßnahmen kosten die Netzbetreiber jeweils Hundertausende Euro jährlich, trotzdem haben etliche längst ihr Engagement ausgeweitet – und fühlen sich der Umwelt (und ihrer Region) nicht nur gesetzlich verpflichtet. ED Netze etwa, in dessen Versorgungsgebiet Teile des sogenannten Storchenparadieses Südbaden fallen, übernimmt auch anderweitig Verantwortung für die Weißstörche. Bereits über 40 Paare haben in seinem Netzgebiet eine Heimat gefunden, und es sollen möglichst noch mehr werden. Daher wird der Verteilnetzbetreiber ab und an zum Geburtshelfer für den „Klapperstorch“, um so die Wiederansiedlungsprogramme „im Ländle“ zu unterstützen.

Im Februar 2017 etwa investierte ED Netze in Eimeldingen bei Lörrach in die Kinderstube einer Familie Adebar, die ihren Horst auf einem Kabelaufführungsmast gebaut hatte. Um dessen Installationen von herabfallenden Ausscheidungen (und etwaigen Folgen) zu schützen, bekam dieser vor der Rückkehr des Storchenpaares aus seinem Winterquartier einen fast anderthalb Meter Durchmesser großen Unterbau. Über dem wie ein Papierhütchen geformten Schutz thront nun in rund 13 Metern Höhe ein rundes Metallgeflecht, auf dem seither das alte Nest, neu platziert, sicher sitzt.

Im September 2021 wurde zum Beispiel auf einem Feld bei Neudingen extra ein alter Strommast für eine „klappernde“ Zweitnutzung aufgestellt. Er soll eine sichere und spannungsfreie Bauplatz-Alternative zur nahegelegenen Freileitung bieten. In Zusammenarbeit mit dem Grundstückseigentümer und Storchenfreunden wurde der Mast dafür mit einer stabilen Metallplattform mit zusätzlichem Weidengeflecht ausgestattet – sozusagen als Bodenplatte. Die Starthilfe soll ein Jungstorchenpaar in diesem Frühjahr zum Nestbau animieren und ihm für die nächsten Jahre ein Zuhause für seine Nachkommen bieten.

Über die Autorin: Sonja Sahmer

Sonja Sahmer
(Foto: privat)

Nach „festangestellten“ Jahren in der Presse- und Öffentlichkeitarbeit machte sich Sonja Sahmer 2010 mit Texterlei  als Journalistin, Autorin und Lektorin selbstständig. Neben Magazin-Beiträgen sowie Corporate-Publishing-Projekten textet sie auch für Unternehmenswebsites und -blogs. Mit einer „Schreibe“, die aus Begeisterung entsteht und Lesefreude verspricht. Und von Wissensdurst und Recherchelust zeugt.

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