„Gleichströmende“ Netzgeschichte: Edison, die Glühbirne und 1.000 Ideen mehr

Glühbirnen aus der Entwicklung Thomas Edisons 1879. (Foto: William J. Hammer, Public Domain via Wikimedia Commons)
Glühbirnen aus der Entwicklung Thomas Edisons 1879. (Foto: William J. Hammer, Public Domain via Wikimedia Commons)

Bis heute ist der Name Thomas Edison eng mit der Erfindung der Glühbirne verknüpft. Was weder dem „Zauberer von Menlo Park“ gerecht wird, noch jenen, die das Prinzip der Glühlampe vor ihm entdeckten. Edison erschuf nicht nur wegweisende Apparate. Er legte Grundsteine für ganze Wirtschaftszweige – wie die Stromwirtschaft.

von Patrick Torma

Erfindungen waren sein Geschäft. 1.093 Patente meldete Thomas Edison in den USA an. Längst nicht alle gingen allein auf ihn zurück: Seine Labore in Menlo Park, später in West-Orange, New Jersey, waren das „Silicon Valley des 19. Jahrhunderts“. In seiner „Erfindungsfabrik“ tüftelten die Besten der Besten für den Fortschritt.

Thomas Edison verstand es zudem, seine Erfindungen Dritten clever zu verkaufen – sowohl bei Geldgebern als auch in der Öffentlichkeit. Seine Weiterentwicklung der Glühbirne beispielsweise war weit von der Marktreife entfernt, als er sie pressewirksam  inszenierte.

Die Glühbirne gilt zwar als Errungenschaft Edisons. Tatsächlich hatten schon Konstrukteure vor ihm experimentiert, Strom zum Glimmen zu bringen. Der Brite Joseph Wilson Swan meldete 1878 ein Patent für eine Glühlampe an, zwei Jahre vor Edison. Der machte die Technologie jedoch nutzbar und erschwinglich, indem er etwa die Zusammensetzung der Kohlefäden verbesserte.

Edisons Stromnetz geht der Saft aus

Den Siegeszug „seiner“ Glühbirne befeuerte Edison dadurch, dass er die Infrastruktur für die Praxis gleich mitlieferte: eine funktionierende Stromversorgung. Um 1882 Manhattan mit elektrischem Licht zu beliefern, errichtete Edison ein durch Dampfgeneratoren angetriebenes Kraftwerk in der Pearl Street. Außerdem ließ er 24 Kilometer Kabel im Untergrund verlegen.

Bereits 1883 wurden so 500 Kunden in New York versorgt. Es schien, als würde Edison von Manhattan aus die Welt elektrifizieren. Sein aufgehendes Imperium besaß jedoch eine Achillesferse: Es arbeitete mit Gleichstrom. Um dessen Leistungsverluste über längere Entfernungen auszugleichen, hätte Edison die USA mit Kraftwerken zupflastern müssen.

Wechselstrom hingegen ließ sich auf hohe Spannungen transformieren, um größere Distanzen zu überbrücken. Nikola Tesla entwickelte mit dem Wechselstrominduktionsmotor die Technologie, die es dem Unternehmer George Westinghouse ermöglichte, Ende der 1880er-Jahre in jene Konkurrenz mit Edison zu treten, die als „Stromkrieg“ in die Geschichte einging.

Der Ausgang ist bekannt: In vielen Stromnetzen dieser Welt wurde der Wechselstrom zum Standard. Die Bedeutung Edisons schmälerte das nicht. Vielen gilt er als größter Erfinder aller Zeiten, der die Elektrifizierung der modernen Welt einläutete. Und: Ganz aus der Mode kam sein Gleichstrom nie. Immer mehr Elektrogeräte wie Computer, Smart-TVs oder LED-Leuchten laufen heute mit Gleichstrom, und mit Blick auf die Erneuerbaren Energien könnte Edisons Vermächtnis ein Comeback feiern.

Vielseitiger Erfindergeist

Thomas Alva Edisons (1847-1931) umfangreiches Schaffen lässt sich in den Thomas Edison Papers einsehen. Seine Ideen ebneten nicht nur den Weg für die Stromwirtschaft, auch die Unterhaltungsindustrie profitierte davon. So gilt etwa sein Phonograph als Vorläufer des Plattenspielers, sein Kinetoskop gehört zu den technischen Geburtshelfern des Kinos.

Über den Autor: Patrick Torma

(Foto: CAMILLO WIZ PHOTOGRAPHY, Camillo Lemke)
(Foto: CAMILLO WIZ PHOTOGRAPHY, Camillo Lemke)

Als freier Journalist und Texter spürt Patrick Torma spannenden Geschichten nach – und bringt sie für Leser auf den Punkt. Zu seinen Auftraggebern zählen Medien und Redaktionsbüros, aber auch Unternehmen, die ihrer Zielgruppe einen Mehrwert bieten. Technische und historische Themen begeistern ihn besonders. Da trifft es sich gut, dass die (Strom-)Netzgeschichten im ED-Netze-Blog beides vereinen.

Das könnte Sie auch interessieren:

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*