Energiewende: Die Niederspannungsnetze rücken in den Fokus

(Foto: canva.com)

Das Stromnetz ist eine komplexe Angelegenheit – da es nicht nur aus einer, sondern vielen Netzebenen besteht. Vor allem aber ist es im Wandel: Denn Strom wird immer öfter da produziert, wo der Ertrag am größten ist, nicht der Verbrauch. Netzausbau und neue Technologien sind daher angesagt, vor allem in der niedrigsten Spannungsebene. So sind die Verteilnetzbetreiber besonders gefordert.

von Franziska Heidecke

Strom kommt aus der Steckdose, klar. Aber wie kommt er eigentlich da hin? Kurz gesagt: durch das Kabel, an das die Steckdose angeschlossen ist. Und das andere Ende des Kabels hängt an einem konventionellen Kraftwerk oder an der Photovoltaikanlage, die der Nachbar auf seinem gesamten Hausdach installiert hat? Schön, wenn es so einfach wäre!

In Wirklichkeit ist das Thema Stromnetz viel komplizierter, denn das Stromnetz ist ein „Netz der Netze“. Und das muss für die Energiewende ertüchtigt werden. Denn der Anteil der Erneuerbaren Energien wächst und wächst. Was gut ist für den Klimaschutz, stellt die Netzbetreiber vor große Herausforderungen. Dafür braucht es mittelfristig sogenannte „intelligente“ Stromnetze, deren Zukunft in der interagierenden Verbindung von Energie- und Datenleitungen liegt: in Smart Grids.

Die Netze sind im Wandel

Bislang waren unsere Stromnetze auf einen mehr oder weniger gleichmäßigen Energiefluss ausgelegt. Die bisherigen Hauptenergieerzeuger wie Kohle- und Atomkraftwerke konnten ja in aller Regel beständig Strom produzieren. Diese Einspeisungsstabilität wird sich aufgrund der naturgemäß teils wetterabhängigen Erneuerbaren Energien ändern. Gerade Wind und Sonne gehorchen ihren eigenen Gesetzen. Auch die wachsende Anzahl der dezentralen Stromerzeuger ist ein schwer zu fassender Faktor, ob große Windparks und Solaranlagen oder die vielen Kleineinspeiser, deren Zahl stetig steigt. Viele von ihnen speisen zu veränderlichen Zeiten und in schwankenden Mengen in die Netze ein. Und auch die Stromnutzung im Allgemeinen und die Lastspitzen im Besonderen werden sich ändern und müssen steuerbarer werden. Etwa, da die E-Mobilität zunimmt.

Folglich wächst das Stromnetz: Seit 2010 kamen bereits 281.000 Kilometer auf allen Spannungsebenen hinzu, wie auch unsere Grafik basierend auf Zahlen der Bundesnetzagentur verrät (Stand: 2019). In den nächsten zehn Jahren wird es ähnliche Veränderungen geben, allein bis 2030 werden in die Verteilnetze bis zu 47 Mrd. investiert.

Ziel ist es, und damit kommen wir noch mal auf die Smart Grids zurück, langfristig auch Kleinanlagen in die Prognosefähigkeit und Netzoptimierungsprozesse zu integrieren. Damit zukünftig alle Akteure in allen Netzebenen, von der Höchstspannung bis zu den Ortsnetzen mit Niederspannung, Teil des sogenannten Redispatch 2.0 sind, um Netzengpässe zu vermeiden.

Das Stromnetz steht durch die Energiewende vor einem epochalen Wandel, der an die Netzbetreiber große Aufgaben in Sachen Netzertüchtigung und vor allem Netzausbau stellt. (Grafik: ED Netze)
Das Stromnetz steht durch die Energiewende vor einem epochalen Wandel, der an die Netzbetreiber große Aufgaben in Sachen Netzertüchtigung und vor allem Netzausbau stellt. (Grafik: ED Netze)

Über die Autorin: Franziska Heidecke

Franziska Heidecke, Bereichsleiterin Digitalisierung und Innovation bei ED Netze GmbH
(Foto: privat)

 

Franziska Heidecke ist seit Januar 2021 Bereichsleiterin „Digitalisierung und Innovation“ bei ED Netze. Schon im Studium war die Digitalisierung der Stromnetze ihr Steckenpferd und wurde bei ihrem letzten Arbeitgeber Netze BW dann zum Fokusthema. Ihr Ziel ist die Schaffung von Netztransparenz auf Mittel- und Niederspannungsebene zur Erhöhung der Versorgungssicherheit, optimierten Netzplanung und effizienten Netzführung. Und eine begleitende aufklärende Kommunikation.

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